Sophie Hunger im Volkshaus Basel
Letzten Freitag hat es endlich mal wieder in ein Konzert gereicht. Nachdem es mit Sophie Zelmani eine Terminkollision gab, haben wir uns unbekannterweise spontan entschieden, Karten für Sophie Hunger zu kaufen. Ich verzichte an dieser Stelle, auf eine umfangreiche Vorstellung dieser Person, das können andere sowieso besser (NZZ, DasMagazin). Deshalb einfach nur ein kurzer Kommentar zum Konzert.
Sophie betritt unspektakulär die Bühne, setzt sich ans Klavier und beginnt mit den Worten “Neus Lied” zu spielen und zu singen. Sie singt auf Bärndüütsch und wechselt mitten im Lied in akzentfreies Hochdeutsch. Nach zwei weiteren Liedern (die Musik fesselt sofort, sie singt nicht einfach nur, sie interpretiert ihre Gedichte. Die Begleitmusiker fügen sich perfekt ein, niemals aufdringlich, aber auch niemals nur Hintergrund.), zieht sie zum zweiten Mal ein Taschentuch hervor und schneuzt sich gar nicht so besonders verschämt die Nase. Spätestens jetzt merkt man, das ist kein organisiert-durchgestylter Auftritt, da wird nicht berechnend versucht, bestimmte Eindrücke zu erwecken und Reaktionen hervorzurufen. Das ist einfach Sophie Hunger. Nicht mehr und nicht weniger.
Nun beginnt sie zu reden. Auf Züridüütsch. Auf ihrem “Nastüechli” sei ein Fussball drauf, und da stehe Grüezi. “Also grüezi!”. Die ganze Band sei eigentlich halb krank und sie müsse sich jetzt alle paar Lieder die Nase putzen. Interessant, ihre Stimme klang phänomenal, mal hell und glockenklar, mal Souldiva, mal verraucht rockig. Warum hören dann eigentlich klassische Sängerinnen bereits auf zu singen, wenn man ihnen beim Sprechen nicht im entferntesten eine Beeinträchtigung anhört? Sophie Hunger singt einfach, und das mit unglaublicher Energie. Herrlich, wie sie mit gerecktem Hals und zugekniffenen Augen dem Publikum die hohen, kraftvollen Töne entgegenschleudert. Um gleich darauf wieder ganz klein und zart zu hauchen.
Es geht immer so weiter und ist irgendwann, viel zu früh, zu Ende. Ihre Ansagen sind nicht einstudiert, sie fängt einfach an zu reden, als ob wir alle ihre Freunde wären, denen sie etwas erzählt. Sie verschluckt schonmal Silben oder fängt einen Satz an ohne zu wissen wie er enden soll. Und wenn sie sagt “unser erstes Konzert in Basel, wir freuen uns sehr hier zu sein”, dann wirkt das zunächst unsicher und unbeholfen. Dann fragt man sich, ob es vielleicht eine Parodie auf all die “Stars” sein soll, die sich freuen in XY zu sein, dessen Namen sie fünf Minuten vor dem Auftritt in der Garderobe noch auszusprechen gelernt haben. Aber wahrscheinlich hat sie es einfach nur so gemeint, wie sie es gesagt hat.
Ich habe selten so eine intime Verbindung zwischen Künstler und Publikum erlebt. Und die Musik, wie ihre Worte durch die Musik anfangen zu leben, das ist für mich ganz ganz grosse Kunst, von ihr, aber auch von ihrer erstklassigen Band. Also, unbedingt CD kaufen. Oder noch viel besser, Konzerte besuchen! Da erlebt man einmaliges.
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