Volle Dröhnung, lautlos: In-Ear-Kopfhörer
Nachdem ich nun feststellen musste was ohnehin klar war – die mitgelieferten iPod-Stöpsel klingen fürchterlich – habe ich mich nach Alternativen umgesehen, und mich schliesslich entschlossen mal das In-Ear-Konzept auszuprobieren. Und bis jetzt habe ich den Kauf der Beyerdynamic DTX50 überhaupt nicht bereut.
Das tolle an diesen In-Ears (letztlich wohl egal ob sie nun Beyerdynamic, Sennheiser oder Sony heissen), ist dass sie einem die volle Dröhnung besorgen können, und das aber in zweierlei Hinsicht lautlos. Erstens, für die Umwelt. Selbst wenn ich voll aufdrehe, höre ich so gut wie nichts mehr, wenn ich die Stöpsel 20cm vom Ohr weg halte. Egal ob Nirvana, E.S.T. oder Carmina Burana, ich möchte das so laut wie nötig hören können, aber ohne jemanden damit zu stören. Das funktioniert mit In-Ears bestens, auch ohne fetten Schaumstoffwulst eines voluminösen geschlossenen Kopfhörers. Zweitens, für mich, was die Umwelt betrifft. Die Dinger wirken wie Oropax (und fühlen sich auch so etwa an), man ist wirklich weitestgehend isoliert von der Umwelt, lediglich hochfrequente Geräusche bekommt man stark gedämpft mit, nicht aber etwa das monotone Dröhnen des fahrenden Zuges. Mit dem richtigen Sound, z.B. wie vorhin Pink Floyd, kann das auch zu geradezu surrealen Sinneswahrnehmungen führen. Eingeschlossen im eigenen psychedelischen Hörerlebnis, wirken die Arbeiter, die da drüben das Bahnhofsvordach frisch streichen, auf einmal seltsam unwirklich…
Ein weiterer Vorteil der In-Ears ist die Tatsache, dass ich damit mein Gehör schone. Zunächst war ich etwas skeptisch, ob das gut sein kann, das Trommelfell in direktester Form zu beschallen. Jetzt bin ich aber überzeugt dass es sogar sinnvoll ist, denn da ich die Umgebungsgeräusche dämpfe, muss ich nicht umso mehr aufdrehen, um diese zu übertönen. Einzig zum Joggen mögen In-Ears nicht geeignet zu sein, jeder Schritt gibt eine kleine Erschütterung des Stöpsels im Gehörgang, was ein dumpfes Geräusch verursacht.
Und wie klingen sie denn jetzt? Ich bin zwar kein Hi-Fi-Fanatiker, habe aber andererseits durch das selber-musizieren sicherlich kein 0/8/15-Gehör. Und ich bin restlos begeistert. Die Bässe sind sehr kraftvoll, die Höhen sehr fein und deutlich, aber niemals so schmerzhaft unangenehm wie bei den Apple-Stöpseln. Ein besseres Hörerlebnis hatte ich beispielsweise auch bei einem Koss Porta Pro oder einem sehr guten Sennheiser Hi-Fi-Kopfhörer noch nie. Andererseits kommen jetzt auch die Schwächen des Ausgangsmaterials gnadenlos zur Geltung. So klingt z.B. Simon Rattles Carmina Burana wenig feingliedrig und irgendwie dumpf, fast etwas “monohaft” (wobei ich da noch überprüfen sollte, ob das nicht vielleicht doch an der mp3-Kompression liegt), während Hilary Hahns Bach-Sonaten geradezu märchenhaft klingen. Ein anderes Beispiel wäre Alanis Morissettes “Jagged Little Pill”, was ich wohl so etwa im Jahre 1998 mit aus heutiger Sicht eher zweifelhaftem Encoder gerippt habe und jetzt einfach nur schrecklich klingt. Vielleicht wäre es sinnvoll hier und da noch etwas Zeit zu investieren…
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